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Traumfänger

Tamara Pirschalawa:

Traumfänger

Fantasievolle Geschichten

2006 BoD-Verlag
Broschiert, 120 Seiten, 17 Farbillustrationen
17 Kurzgeschichten
Preis: 11,90 €
ISBN 10: 3833467800

Klappentext


In der heutigen Zeit verliert man oftmals die Fähigkeit, positiv zu denken und optimistisch zu sein. Alltagssorgen, Kummer und Stress lassen schnell die Hoffnung auf Besserung der Lebensumstände verlieren. Die fantasievollen Geschichten in diesem Buch lenken das Augenmerk auf die wesentlichen Dinge des Lebens, geben wieder Hoffnung oder bewirken einfach, dass man die Seele baumeln lassen kann. Wie bei einem Traumfänger kann der Leser das Negative durch das Netz des Lebens fallen lassen und das Positive auffangen und bewahren.

Die Autorin über ihr Buch:
Dieses Buch ist eine Hommage an die Hoffnung, an den optimistischen Blick in
die Zukunft, an das Wesentliche im Leben, an das Glück und an die Liebe. Es
ist eine Reminiszenz an die kindliche Fantasie, die jedem Menschen viele
schöne Stunden beschert, aber im Laufe der Jahre leider verloren geht -
geschrieben für all jene, die sie wieder aufleben lassen wollen.


Textauszug

Sie wusste, dass der alte Mann unten am Strand lebte, und sie hatte bereits
viel über ihn gehört. Schon immer hatten sich geheimnisvolle Geschichten um
ihn gerankt. Deshalb war es sehr aufregend für sie, dass sie ihn in wenigen
Minuten persönlich kennen lernen würde. Es war schön, über den Strand zu
laufen, den Sand unter den Füßen zu spüren und die frische Seeluft
einzuatmen. Trotzdem war sie angespannt, denn der alte Mann war für sie nun
mal ein Fremder. Warum sie das starke Bedürfnis hatte, ihn aufzusuchen, war
ihr ein Rätsel. Aber es drängte sie geradezu danach, zu ihm zu gehen.

Nach einiger Zeit hatte sie ihr Ziel erreicht: Der alte Mann wohnte in einer
alten, baufälligen Hütte. Er hatte keine Familie und lebte recht
zurückgezogen und bescheiden in seinem kleinen Heim. Zaghaft klopfte sie an
die Tür. Keine Reaktion. Sie versuchte es ein weiteres Mal. Jetzt hörte sie
von drinnen ein Geräusch. Jemand schien sich schwerfällig aus einem Sessel
oder Sofa zu erheben, schlurfende Schritte erklangen hinter der Tür. Langsam
und mit einem lauten Quietschen öffnete sich die Tür, die schief in den
Angeln hing. Zum ersten Mal in ihrem Leben sah sie dem alten Mann in die
Augen. Diese waren wach, freundlich und voller Weisheit. Sie war ergriffen,
wusste aber nicht, warum. Der alte Mann lächelte sie an und sagte: „Schön,
dass du endlich kommst.“ Er trat beiseite und hieß sie, einzutreten. Sie war
verwundert. Warum freute er sich darüber, dass sie „endlich“ gekommen war?
Hatte er sie erwartet? Aber das war doch nicht möglich, er kannte sie
überhaupt nicht. Verunsichert betrat sie den kleinen, spartanisch
eingerichteten Raum. Der alte Mann wies ihr einen zerschlissenen Sessel zu
und setzte sich ihr gegenüber in einen anderen Sessel.

„Du hast bestimmt eine lange Reise hinter dir“, sagte der alte Mann. „Eine
lange Reise? Na ja, wie man es nimmt. Ich bin am Meer entlang gewandert und
habe nicht auf die Zeit geachtet“, antwortete sie. Er lächelte wissend und
sagte: „Du bist anscheinend noch nicht so weit, es ist also für uns beide
das erste Mal.“ Was sollte das wieder bedeuten? Sie war vollkommen verwirrt,
aber sie wagte nicht, ihn um Aufklärung zu bitten. „Ich habe mein ganzes
Leben hier verbracht, in meinem kleinen Häuschen. Es ist alt, genau wie ich,
aber es hat mir immer Sicherheit, Wärme und Geborgenheit gegeben. Alt zu
sein ist nicht schlimm, man zehrt von seinen Erlebnissen und Erfahrungen.
Und auch ein altes Haus weiß viel zu erzählen, es hat Freude und Leid
gesehen. Ich wollte niemals in ein neues Haus ziehen, es hat keine
Geschichte“, sagte er. Sie schaute ihn nur an und wusste nicht, was sie
erwidern sollte. Es gab so viele Fragen und doch war alles geklärt. Sie war
voller Frieden und Einklang mit sich selbst. Dies schien durch den alten
Mann verursacht zu werden, der eine unendliche Ruhe ausstrahlte.

Sie wusste nicht, wie es weitergehen würde, aber er schien es zu wissen. Er
lächelte sie verständnisvoll an und sagte: „Es ist nicht einfach für dich,
du weißt nicht, wie du dich verhalten sollst und was du zu machen hast.“ Ja,
das stimmte. Sie hatte das Gefühl, als ob sie zum ersten Mal in ihrem Leben
auf einer Theaterbühne stehen und nicht wissen würde, welches Stück gespielt
wurde. Da war es schwierig für sie, zu improvisieren. Das Problem dabei war,
dass sie spürte, dass sie „in diesem Stück“ eine Hauptrolle spielte,
gemeinsam mit dem alten Mann. Dieser schien jedoch im Gegensatz zu ihr zu
wissen, was von ihm erwartet wurde. Das hatte er ihr voraus. Trotzdem fühlte
sie sich nicht wirklich unwohl. Sie ließ es einfach auf sich zukommen, alles
würde sich auflösen, ob mit oder ohne ihr Zutun.

[…]

(Leseprobe aus dem Buch „Traumfänger“ von Tamara Pirschalawa)


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