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Amaryll
Versehen mit einer wunderbaren Akustik steht auf einem Plateau zwischen
Haarstrang und Möhnetal, nahe der Möhnetalsperre, die
romanische Kapelle "Drüggelte". Als zwölfeckiger Zentralbau
wurde die Kapelle vermutlich in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut.
Der Klang der Kapelle gab der Rezitation einen Nachhall, den A.J.
Weigoni durch ironische Brechungen vor dem weihevollen bewahrt. Seine
Skepsis allem Pathos gegenüber, selbst dort, wo er sich anbietet,
lässt aufhorchen.
Bei der Jürgen-Diehl"-Hommage auf "Drüggelte" ging es am 24.
April 2004 um die Wahrhaftigkeit des Wortes. Die Arbeiten, die zum
Vortrag gelangen, sind tonale Kompositionen mit sprachlichen Mitteln.
Die ArtistInnen vermögen es, poetische Performances zu Ereignissen
zu machen, weil sie den richtigen Rhythmus und die angemessene Melodie
finden. Unangestrengt schaffen sie geflüsterte, gesprochene
Sprachkunstwerke. Das Mondäne vereinigt sich mit dem
Musikalischen, der Intellekt mit dem Sinnlichen. Die ArtistInnen lassen
mit Lust an der gesprochenen Sprache, an der Schönheit von Worten
Tonfall, Melodie und Rhythmus hören.
In "Adagio" kontrastieren phasenweise die Harmonien der Musik und der
eher Disonanzen thematisierende Text. Das zugleich analytische und
spielerische der Textfolge korresponidert mit der Tatsache, dass Musik
und Mathematik verwandte Ursprünge haben. Man könnte die
Musik gespielte Mathematik nennen.
Die "Jürgen-Diehl-Hommage auf "Drüggelte" ist ein Platz
für den artistischen Bau autarker Sprachkonstrukte ausserhalb der
alltäglichen Rede und normierter Sprachregularien. Dieses
Freigelassene, Strömende entsteht durch Präzision, Klarheit
und Konzentration. Die Arbeiten oszillieren zwischen dem lyrischen
Protestgedicht und dem politischen Liebesgedicht.
Einst waren Interpreten Barden, Schamanen, Seher, Troubadoure, waren
Reisende in Sachen Liebe und Moral...- im digitalen Zeitalter geht der
Schrift der Sinn, und damit die Sinnlichkeit, immer mehr verloren; so
scheint es jedenfalls. Diese Veranstaltung soll daran erinnern, was
Poesie ursprünglich war: Gesang, Melodie und Rhythmus, Reim und
Versmass, Litanei und Mythos.
Eröffnet hat die Veranstaltung der Arnsberger Künstler Peter
Meilchen mit einem Memento. Hier ein Auszug aus seiner Würdigung:
"Jürgen Diehls Problem, eine Triple-Begabung zu sein, folglich in
allen künstlerischen Bereichen seine Qualität zu besitzen,
stellte sich für die Menschen in seiner Nähe als
inspirierender Vorteil dar.
So wurde mir in unseren zahlreichen Gesprächen das Zusammenwirken,
die wechselseitigen Abhängigkeiten und Befruchtungen zwischen den
künstlerischen Ausdrucksformen immer bewußter. Wir sahen
sprechend und spazierten sprachlich durch die Bilderwelt - darüber
tanzten die Noten.
In dieser Leichtigkeit war Jürgen Diehl auch klar, daß jedes
Bild nur die Beschreibung eines Weges ist, das uns als Suchende
gefunden hat.
Kunst sollte bei aller Ernsthaftigkeit nie ihre augenzwinkernde
Begleitung aufgeben, doch bei allem Spiel nie die Würde vor dem
Gegenstand ihrer Betrachtung verlieren.
Auf dem Seil dieser beiden Anspannungen bewegte sich Jürgen Diehl
mühelos, ohne Netz und immer mit Fallwissen. Denn er wußte,
daß die Kunst eine der schönsten Fluchtmöglichkeiten
ist - mit Ankunftswillen."
Peter Meilchen
Zur Ausstellung erscheint die CD-R »Amaryll«. Sie ist
erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Pressestimmen zu poetischen Performances
"Ein Stück Theater ist überall, wo sich Weigoni der Poesie
ergibt… Die Mischung macht's und die macht Spaß." (Hamburger
Morgenpost) "Verschachtelte Bandwurmsätze in hektischer
Abfolge…" (WDR Pop-Session) "… versprühte Skurilität und
Wortwitz." (Mindener Tageblatt) "… mit seiner Letternmusik das Wort
performancegleich abrocken läßt." (Überblick) "Eine
spezifische Seelenverwandtschaft war Voraussetzung für die
Letternmusik, die der Lyrik-Performer A.J. Weigoni mit
Kontrabassunterstützung von Hartmut Kracht präsentierte. Hier
stellte niemand den avantgardistischen Impetus in Frage." (Rheinische
Post) "Dass wir es zugleich mit einer hoch artistischen Demonstration,
einem verbalen Theaterspiel zu tun haben, wird nicht zuletzt
signalisiert durch die Einteilung der Texturen in fünf Akte mit
musikalischer Bezeichnung der jeweiligen Tempi und Stimmungen. Den
eindrucksvollen lyrischen Sequenzen des ersten Teils, ausgezeichnet
vorgetragen." (Prof. Dr. Franz Norbert Mennemeier, neues rheinland)
"Mit minimalen phonetischen Änderungen erschließt der
Künstler neue Sichtweisen der Sprache, die aus ihrer
Alltäglichkeit und der damit verbundenen Banalität wieder als
Klangwerkzeug in das Blickfeld transportiert wird. Diesen
Verfremdungseffekt, der auf der lautmalerischen Ebene zum Tragen kommt,
findet man auch in der inhaltlichen wieder." (Ruhr Nachrichten)
"Weigoni überzeugte sein Publikum durch rhythmisch eindringlich
vorgetragene szenische Lyrik." (Westfälische Rundschau) "Beinahe
verschwörerisch rezitiert A.J. Weigoni die Texte dieser
Blätter. Frank Michaelis bläst mittendrin ein Saxophon,
dessen bewußt blecherne Schwüle leicht eine ganze New Yorker
U-Bahn-Station unterhalten könnte. (Mainzer Rhein-Zeitung)
"Den kleinsten Raum der Galerie hat das Duo in einen Klangraum
verwandelt. Aus Plastikeimern mit eingebauten Lautsprechern nebst
Betonradio tönt ein Literaturclip, der dem Verfall der klassischen
Hörkultur Einhalt gebieten will…" (Stuttgarter Zeitung) "… die
wohl vielseitigste Auseinandersetzung mit der Realität."
(Esslinger Zeitung)
"Das Hörstück… verdankt seine Wirkung vor allem den
darstellerischen Fähigkeiten von Kai Mönnich und Marion
Haberstroh, die sowohl exzellente Sprecher, als auch äußerst
wandlungsfähige Schauspieler sind. Bravourös meistern sie die
Klippen der komplexen Textcollage, verschmelzen philosophische
Reflexionen, Streitgespräche und lyrische Passagen zu einer
Einheit, die das Publikum bald in ihren Bann zieht." (Mainzer
Rhein-Zeitung) "Eine Innovation war auch die Uraufführung des
Hörspiels Fünf - oder die Elemente im Gutenberg-Museum… Nicht
nur Anlage und Inhalt ließen aufmerksam werden, sondern auch der
Rückgriff auf die Form des Hörspiels. Dargeboten wurde es wie
anno dazumal, denn schon in der Weimarer Republik hatte es diese Art
der Aufführung und Aufnahme vor Publikum gegeben." (Mainz,
Vierteljahreshefte für Kultur) "Qualität in Wort und Regie
zeigte auch die Uraufführung von A.J. Weigonis neuestem
Hörspiel, das sich Gedanken macht über die veränderten
Wahrnehmungen durch eine von Medien dominierte Welt." (WDR - Mosaik)
"Der Wortkünstler A.J. Weigoni weiß mancherlei über
die harten Bandagen, mit denen man sich auch noch vier Jahrzehnte nach
Cages europäischem Wirken um Kunstpfründe und Dicherlorbeer
prügelt. Weigonis erstmals aufgeführtes Live-Hörspiel
»RedenRedenReden«, vordergründig eine Boxkampf-Parodie
mit Kommentator und zwei schlagabtauschenden Dichter-Recken, zieht
hinter der Witz-Fassade traurige Bilanzen." (Rheinische Post)
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