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Hartmut Brie
SchwachstellenRezension von Sven-Andre Dreyer Schwachstellen
heißt das neue Werk des Lyrikers Dr. Hartmut Brie aus
Müllheim in
Süddeutschland, in dem es dem Gewissen des Leser kunstvoll und
wortgewaltig an der Kragen geht. Was der Titel erahnen lässt, wird
bei genauerem Hinsehen und Studium der 53 Gedichte Gewissheit: Brie
deckt „Schwachstellen" auf und spricht sie ungeschönt an, die
Lügen und Ungerechtigkeiten dieser Welt. Dabei teilt Brie sein
Werk
formal in vier Kapitel, die er „Kulturwelten", „Lebenswelten",
„Andere Welten" und „Muster Welten?" nennt und gibt
somit den Rahmen, der in den Kapiteln enthaltenen Gedichten vor.
Dabei unterstützen die Illustrationen des polnischen Malers Miro
Niklewicz die Gedichte wunderbar - auch die Bilder wirken, wie die
Sprache Bries, in Teilen massiv konfrontierend, dann hingegen wieder
fragil und flüsternd. Somit hinterlässt das hochwertige Buch
aus
dem Wiesenburg Verlag nicht nur ein echtes haptisches, sondern zudem
ein visuelles Erlebnis.
Dr. Hartmut Brie, 1943 in Freiburg im Breisgau geboren, nutzt Sprache, insbesondere seine außergewöhnliche Stakkato-Lyrik, um auf die Missstände dieser Welt aufmerksam zu machen. Schmiergeld, Arbeitslosigkeit und Korruption. Krisengebiete, Terror und Macht, kein Thema lässt Brie aus und gibt dabei dem Leser seine Sprache an die Hand, um nachzudenken, hinzuschauen, sich eine Meinung zu bilden zu dem, was auf diesem Planeten geschieht. Sozialkritisch und unversöhnlich dunkel zieht der Autor ein Resümee der Weltlage, zeigt auf und rechnet ab mit dem was veränderbar wäre, wenn man nur wollte. Der studierte Romanist und Anglist Dr. Hartmut Brie, der als Lektor für Deutsch an den Universitäten Neapel und Lille tätig war, lebte und arbeitete zudem elf Jahre in der Bildungshilfe in Afrika - und auch diese Zeit hinterlässt Spuren in seinen Gedichten. Afrika ist ein zentrales Thema seines Lyrikbandes, und auch in diesen Gedichten nimmt Brie kein Blatt vor den Mund - die Notlage Afrikas als Wegguckreiz des Weltgewissens. Dabei wendet der Autor einen eigenen, höchst ungewöhnlichen Lyrikstil an, um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Brie nutzt kurze Sprachfragmente, durch Punkte getrennt und in Wortelemente aufgeteilt. Da kommt es vor, dass schon ein Wort ausreicht, um eine Assoziation zu wecken. Getrennt durch das Satzzeichen des Punktes folgt eine Salve weiterer emotionaler Wegweiser und geleitet den Leser somit durch das Werk. Ein aufschreckendes Werk Lyrik. Klare Sprache, harte Fakten. Literatur die wachrüttelt. Die gelesen werden muss. Unbedingt. Punkt.
Hartmut Brie: Schwachstellen Gedichte, mit Illustrationen von Miro Niklewicz Wiesenburg Verlag, 1. Aufl. 2007 , ISBN 978-3-939518-87-7 125 Seiten, gebunden, € 17,50 inkl. gesetzl. MwSt.
sad, April 2008 |
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