Autoren Heute


* Generelles * Roman * Hörspiel * Biografie * Anthologie * Drama * Kurzgeschichte * Fantasy * Gedichte * Kinderbücher * Krimis * Sachbuch * Science-Fiction * Verlage

Generelles

Home

Schreibhemmungen
Buchmesse
Aschenputel-Prinzip
Nutzungsbedingungen
Lektorat
Aphorismen
Verlagssuche

Kontakt
Haftung
Impressum


Die Top100 Literatur-Seiten im
Netz
Literatur und
Wissenschaft

Online Bücher
Die Hundert Besten!

Mit Unterstützung der Linux Consultants am Bodensee:Bodenseo,
									 Linux
									 Kurse
									 und Schulungen
Linux-Seminare und Kurse
Schulungen, Entwicklung und Suchmaschinenoptimierung
Kurse für Privatpersonen und Firmen. Linux ist auch für Autorinnen und Autoren das bessere Betriebssystem. Lernen Sie in einem Kurs damit umzugehen.
Auf der Suche nach einem neuen Job? Sie brauchen Hilfe bei der Bewerbung? Dann sind Sie bei Bewerbung-Hilfe.net richtig.

Das Aschenputtel-Prinzip

Kriterien zur Findung guter Literatur

von Bernd Klein

"Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!" so lautet die Aufgabe für die Tauben in Aschenputtel oder Cinderella, wie es viele heute nennen.  Die Analogie liegt auf der Hand: Die Asche, dass ist das gesamte Universum der erzeugten Literatur. Inmitten der Asche finden sich Linsen, also Werke, die es sich lohnt "aufzulesen". Aber nicht jede Linse lohnt den Weg in den Topf, also den Literaturbetrieb. Die schlechten Linsen wandern sofort in den Kropf der Vögel oder den Reisswolff der Lektoren und Literaturagenten.

Bleiben wir bei unserem Beispiel. Was wenn in dem Aschenhaufen sagen wir hundert Mal so viele Linsen vorhanden sind, als eigentlich von Aschenputtels böser Schwiegermutter benötigt werden? Wenn der Berg sogar noch ständig wächst? Als Konsequenz wandern für den menschlichen Verzehr bestens geeignete Linsen zu Hauf in Vogelmägen. Selbst wenn man sich bemüht die besonders dicken und wohlgeformten Linsen in den Topf zu bringen, werden immer noch allzu viele Prachtexemplare unmittelbar in Vogelkot gewandelt.

Aber nun genug des Märchenhaften. Im realen Literaturbetrieb ist es wohl nicht zu hoch gegriffen zu schätzen, dass hundertmal so viele Bücher angeboten werden, wie veröffentlicht werden. Welche Kriterien wenden nun "erfahrene" Lektoren und Literaturagenten an, um den Berg der Einsendungen zu schrumpfen. Wie bei den Linsen wandern auch Romane und andere literarische Werke von höchster Qualität im "Kröpfchen", oder besser gesagt, sie werden zur Chancenlosigkeit verdammt.

Bei Ihrer Auswahl gelten unter anderem folgende wichtige Kriterien und Fragestellungen:
  • Eindeutigkeit des Genres
    Jedes Buch sollte sich eindeutig einem Genre zuordnen lassen. Diese Frage ist von großer Wichtigkeit, denn Buchhändler verkommen immer mehr zu Warenhausketten, für die eine eindeutige Klassifizierbarkeit eines Werkes von zentraler Wichtigkeit ist. Man muss ja schließlich wissen, in welche Rubrik ein Buch passt, also z.B. Krimi, Thriller, Reiseführer, usw.
  • Eindeutige Leserschaft
    So wie in Supermärkten sortiert man auch in modernen Buchhandlungen Belletristik und Sachbücher gerne konsumentengerecht nach  "Frauenromane", "Diet & Fitness", "Erotik", und letztere Rubrik wird häufig gar noch in "Erotische Frauenliteratur" etc. unterteilt.
    So findet man häufig Bücher von Doris Lessing unter "Frauenliteratur", so als wären diese Bücher für Männer nicht geeignet.
  • Bekanntheit
    Ein typisches Henne-Ei-Problem. Verlage veröffentlichen am liebsten neue Werke von bereits etablierten Autoren. Weil auch die Leserschaft meistens Bewährtes dem Wagnis des Neuen vorzieht. Verlage, die immer stärker auf reine Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, können mit "Neuem aus alter Feder" relativ genau kalkulieren, denn man weiß schließlich ziemlich genau wie hoch die Stammleserschaft eines Erfolgsautors ist. Statistische Überraschungen gibt es bei diesen meist nur nach oben.
  • Vertrautheit
    Auch wenn viele Verlage und Verleger davon träumen die Paten eines neuen literarischen Stils zu sein, scheuen sie doch das Wagnis. Bei der Auswahl ihrer Neuveröffentlichungen legen sie deshalb großen Wert darauf, dass ein Werk sich nahtlos in den Zeitgeist einpasst. Anders ausgedrückt: Literatur soll sich nur im Bereich der Erwartungen bewegen. Bloß keine Experimente. Und im Supermarkt der Bücher kann man Bücher dann auch leichter verkaufen mit Slogans wie "liest sich wie Soundso" oder "so spannend wie ein Thriller von Demunddem"
  • Modernität
    Auch in der Literatur gibt Modeströmungen. Wenn Romane modern sind, die in exotischen Ländern spielen, historische Bezüge haben müssen, hat ein Roman, dem der aktuelle modische Bezug fehlt kaum eine Chance. Das gleiche gilt natürlich für Literatstile.
  • Berechenbarkeit
    Der geschätzte mit dem Buch zu erzielende Umsatz ist natürlich das Hauptargument bei der Auswahl eines literarischen Werkes oder Autors. Der literarische Wert eines Buches ist dabei sekundär, d.h. lieber einen literarisch minderwertigen Bestseller als drei hochwertige Bücher veröffentlichen ist allzu häufig die Maxime. Eine Ausnahme stellen sicherlich Werke dar, von denen sich ein Lektor oder eine Lektorin große Publicity für den Verlag erhofft. In einem solchen Fall würden mangelnde Verkaufszahlen eines literarisch wertvollen Buches durch den Werbeeffekt ausgeglichen werden.
Es versteht sich von selbst, dass die Findung eines wirklichen neuen Talentes in einem solchen Verlagswesen im Prinzip Betriebsunfälle sind.

Im Prinzip bedeutet das, dass viele literarische Werke, die es wert wären, nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Es stellt sich die Frage wieviele Autoren und Autorinnen ewig im Dunkeln bleiben, obwohl sie und ihre Werke eine Veröffentlichung verdienten. Viele sind sicherlich besser als all das, was sich in den Top-Ten der Illustrierten und Magazine tummelt. Außerdem stellt sich die Frage, wie viele neuen Schriftsteller und Schriftstellerinnen sich erst gar nicht trauen an Verlage zu wenden. Die davon ausgehen, dass man ihrem Werk keine Chance einräumen wird, dass man es wahrscheinlich noch nicht einmal auch nur auszugsweise lesen würde bevor man es ablehnte. Man möchte sich einfach eine Demütigung ersparen und lässt sein Werk im Keller verroten oder veröffentlicht es kostenlos im Internet.




© Copyright 2003 - 2005, Bernd Klein