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Kristallseele
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Himmelstuermer Verlag;
erscheint im Oktober 2006
ISBN: 393482563X
Klappentext:
Weil er sich in einer Hochphase in Lebensgefahr
bringt, wird der manisch-depressive Fotograf Johnny Lorenz in die
Psychiatrie zwangseingewiesen. Dort begegnet er dem abgeklärten
Psychiater Kevin Friedman, der ihn betreut. Es vergehen Wochen, bis
Johnny Dr. Friedmann an sich heran lässt, aber bereits
während dieser
Zeit spürt der Arzt, dass er sich in seinen Patienten verliebt
hat. Das
bemerkt der manisch-depressive Johnny und versucht, seine Arzt zu
verführen, um aus der Klinik heraus zu kommen. Kevin bleibt
standhaft,
denn eine Beziehung zu einem Patienten würde ihn seine Karriere
kosten.
Intrigen innerhalb der Klinik zwingen ihn schließlich dazu, den
Fall
abzugeben. Trotzdem gelingt es Johnny, Kevin zu verführen.
Ungeachtet
der drohenden Konsequenzen wegen einer Beziehung von Arzt und Patient
kommt das Paar zusammen. Endlich erfährt Kevin, dass Johnny keine
Erinnerung an die ersten acht Jahre seines Lebens hat, außerdem
quälen
ihn Alpträume von sexueller Gewalt, Hilflosigkeit und Entsetzen.
Der
Verdacht, dass es in seiner Kindheit Ereignisse gegeben hat, die seine
Krankheit begründen, erhärtet sich.
Die Spuren der Vergangenheit führen beide Männer
schließlich in den
Untergrund von Sankt Petersburg. Dort begegnen sie den Schrecken, denen
Johnny in seiner Kindheit ausgesetzt war und kommen einem groß
angelegten, von Staats wegen vertuschten Verbrechen auf die Spur.
Leseprobe
Kapitel 1
Es war ein Nachmittag Mitte Dezember 2005. Der vollkommen schwarz
gekleidete Mann kam in den Speiseraum des Kölner Obdachlosenasyls
und
wuchtete einen Koffer vor sich auf den Tisch. Er entledigte sich des
langen Ledermantels, zupfte sich die Rüschen seines Hemdes zurecht
und
warf die bis zum halben Rücken reichenden, glatten schwarzen Haare
zurück. Er war blass geschminkt, Kajal umrandete seine
ausdrucksstarken
dunklen Augen, er trug Piercings an Nase, Augenbrauen, Unterlippe und
Ohren und sehr viel Silberschmuck. Er räusperte sich, um
Aufmerksamkeit
zu erlangen, die er aufgrund seines Aussehens allerdings schon hatte.
„Jeder, der Geld braucht, kommt zu mir!“
Mit seinen schmalen Händen öffnete er den Koffer. Er war
gefüllt mit
Banknoten. Das Klappern des Bestecks wurde leiser und verebbte
schließlich ganz, man betrachtete ihn erstaunt und auf eine
Weise, wie
man wohl einen bauchtanzenden Schimpansen in Reizwäsche angeschaut
hätte. Keiner stand auf, niemand sagte einen Ton.
„Hey, wollt ihr sagen, ihr habt genug Kohle? Kommt schon, ziert euch
nicht!“
Zögernd stand einer der anwesenden Männer auf. Er trug einen
roten,
verfilzten Vollbart, seine Kleidung war abgenutzt, teilweise
löchrig
und schmutzig und sein Gesicht vom Alkohol aufgedunsen. Mit unsicheren
Schritten kam er zum Tisch. Er streckte dem Schwarzgekleideten die Hand
mit den langen, schwarzgeränderten Nägeln entgegen und dieser
drückte
ihm ein Bündel Fünfzigeuroscheine hinein. Ungläubig und
mit offenem
Mund schaute er auf das Geld, stammelte ein heiseres ‚danke’ und zog
sich wieder auf seinen Platz zurück. Das wirkte wie ein
Startschuss. Im
nächsten Moment schon drängten sich die anderen um den
Gönner und jeder
nahm Geld entgegen. Fragen nach dem ‚warum’ beantwortete der Mann nicht
und auf scheue oder ausdrückliche Danksagungen reagierte er fast
gekränkt.
„Ihr braucht euch nicht zu bedanken. Es steht euch zu! Nehmt es als
euer Weihnachtsgeschenk.“
Einige der Anwesenden machten sich aus dem Staub, als befürchteten
sie,
dass jemand einen Grund finden könnte, ihnen das unverhoffte
Geldgeschenk wieder abzunehmen. Andere setzten sich und begannen, die
Scheine zu zählen. Letztendlich hatte jeder Geld bekommen. Der
Mann
schloss den Koffer, er war noch nicht leer. Er verabschiedete sich, zog
hektisch seinen Mantel an, nahm den Koffer und ging ebenso schnell
wieder hinaus, wie er gekommen war. Auf seinem Gesicht stand ein
befriedigtes, aber auch gehetztes Lächeln.
Er machte sich auf den Weg zum Bahnhof und überlegte gerade, ob er
vorher noch einmal zur Bank gehen sollte, um mehr Geld zu holen, als
zwei junge Männer aus einer Seitenstraße auf ihn zu
sprangen. Er bekam
einen Fausthieb ins Gesicht und sah kurz ein Messer aufblitzen. Im
nächsten Augenblick spürte er einen heißen Schmerz im
seitlichen Bauch
und taumelte rückwärts. Er prallte gegen eine Hauswand, der
Koffer
wurde ihm entrissen und ein weiterer Schlag ließ ihn zu Boden
gehen. Er
hatte noch erkennen können, dass beide Männer im Asyl bereits
Geld von
ihm erhalten hatten, dann wurde er bewusstlos.
Biografische
Notizen der Autorin: Andy Claus (Jahrgang 1960) lebt seit sechs Jahren
in Königswinter. Vor beinahe 16 Jahren begann sie mit dem
Schreiben von
komplexen Geschichten und Romanen, wobei sie die ersten 10 Jahre als
Lehre ansieht, aus der sich ihr heutiger Schreibstil entwickelt hat.
Ihre ersten Veröffentlichungen waren Kurzgeschichten & Artikel
in
Zeitschriften, es folgten politische/sozialkritische Studien,
Verlagsarbeit und redaktionelle Internetarbeit. Neben der Mitarbeit in
zahlreichen Anthologien sind als Herzstück von AC´s Arbeit
acht
veröffentlichte Romane zu erwähnen.
Die
Besonderheit an ihren Romanen ist, dass die Protagonisten durchweg
schwul angelegt sind. Die Verständigung zwischen schwulen
Männern und
gemeinhin als „normal“ bezeichneten Menschen liegt ihr am Herzen. Sie
weiß, man kann Vorurteile, Schmähung und Diffamierung nicht
wegdiskutieren, aber man kann Geschichten erzählen. Und
während dieser
Geschichten klären sich Irrtümer manchmal auf, kommt zum
Ausdruck, dass
es die Unterschiede zwischen Liebe und Liebe eigentlich gar nicht gibt
und dass das Wort pervers oft viel zu vorschnell verwendet wird.
Das
Genre geht über konventionelle Romane mit Gesellschaftskritik und
der
konsequenten Verfolgung eines Schicksals über den Psychothriller
bis
zur phantastischen Geschichte. Tödliche Verführung, ihr
bisher einziger
Psychothriller wird zur Zeit für den UK & US Markt
übersetzt und
bearbeitet.
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