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Günther Rudolf: Das vergessene Gebot

Gott unterdrückt die Frauen

ISBN: 3933287650 - 19.90 Euro -

Bezugsmöglichkeit: Edition-Unica oder Buchhandel

Rezension: Nele Tabler

Am Anfang stand für mich die Frage: Warum schreibt ein Jurist ein Buch über die Bibel? Bleistift, Papier, Bibel und Konkordanz griffbereit fing ich an zu lesen und konnte nicht mehr aufhören, bis ich am Ende die Antwort fand:

Günther Rudolf kommt zu dem Schluss, dass die Bibel ein verfassungswidriges Pamphlet sei und auf die Liste der "Jugendgefährdenden Schriften" gehöre. Was im Klartext nichts anders bedeutet, als dass die Bibel nach den Gesetzen unseres Staates aus dem Verkehr gezogen werden müsste. Ganz ehrlich, bei allen Vorbehalten gegenüber der Kirche, SO habe ich das noch nie gesehen.

Seine Beweisführung scheint für mich - mit meinen laienhaften Kenntnissen sowohl auf juristischem als auch theologischem Gebiet - lückenlos, und ich frage mich, weshalb noch nicht längst ein Mensch versucht hat, die Bibel in unserem Staat verbieten zu lassen, und eine entsprechende Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht hat.

Angeblich sollen Juristen ja eine trockene und stinklangweilige Sprache haben. Der Autor beweist das Gegenteil. Locker, flott und teilweise recht witzig dröselt er die Bibel Stück für Stück auf. Über Deborahs Mann, einen Herrn namens Lappidot, vermerkt er kurz und knapp, "nomen est omen". Der Ehemann war wohl ein "Waschlappen", anderenfalls wäre Deborah wohl nie zu einer Führerin Israels geworden.
"Frauen sind nur halb so viel wert wie Männer, siehe Preisliste im 3. Buch Moses", heißt es an anderer Stelle.

Mehr als einmal musste ich laut lachen, dabei war der Text insgesamt überhaupt nicht zum Lachen. Der ach so fromme Lot bot randalierendem Mob seine Töchter zur Vergewaltigung an. Moses ließ kurzerhand mal 100000 Frauen ermorden, Jakob kaufte sich gleich zwei Ehefrauen, auch wenn er nicht mit Geld, sondern mit Diensten bezahlte. - Völkermord, Aufschlitzen schwangerer Frauen, Entführung - Gewaltverbrechen an Gewaltverbrechen prägt die Heilige Schrift. Frauen werden pauschal als Dirnen bezeichnet und auch schon mal mit Schweinen verglichen.

Eva scheint strohdumm gewesen zu sein, heiliges Fleisch war zu gut für die Mägen unreiner Weiber - kein Wunder, wenn Frauen Vegetarierinnen werden. Und während selbst dem Esel ein freier Tag zugestanden wird, muss die Frau ununterbrochen arbeiten - nichts Neues für berufstätige Mütter.

Mehr als aufschlussreich sind auch die Anmerkungen über die Kirche nach Jesus: Da beschloss eine Synode im 4. Jahrhundert, dass Frauen weder Briefe schreiben noch empfangen dürften. Hundert Jahre zuvor verkündete ein gewisser Johannes Sowieso, seines Zeichens ein Kirchenvater: "Frauen sind dazu bestimmt, die Geilheit der Männer zu befriedigen."

"Die Frau ist ein Missgriff der Natur. Mit ihrem Feuchtigkeitsüberschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger. Sie ist eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann", verkündete der Heilige Thomas von Aquin und setzte noch eins drauf: "Ein männlicher Fötus ist nach vierzig Tagen ein Mensch, ein weiblicher nach 80 Tagen. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde..."

Der kürzlich verstorbene Papst Johannes Paul II hielt Selbstbefriedung von Frauen für eine Todsünde, während sie für Männer ein notwendiges Übel sei... Von Luthers verbalen Ausfällen gegenüber Frauen will ich hier gar nicht reden. Katharina scheint ihm ziemlich zugesetzt zu haben und irgendwo musste der arme Mann sich ja abreagieren.

Trotzdem, mit der Unterzeile bin ich nicht einverstanden. Gott unterdrückt nicht die Frauen - schließlich hat er sie nach seinem Ebenbild erschaffen. Aber vielleicht sollte er mal das sogenannte Buch der Bücher zur gründlichen Überarbeitung aus dem Verkehr ziehen. Damit wir dann, wie Jutta Voss schrieb "...einen Christus zu entdecken, der uns vorenthalten wurde, einen Christus ohne Machtansprüche, einen brüderlichen Bruder, der sich an seinen Schwestern freut und ihre Gaben genießt, einen Mann, der ein heiles und ganzheitliches Frauenbild in seiner Seele entwickelt hat"


Aus der Rezension von Monika Gerstendörfer:

... In der von der patriarchalen Philosophie geprägten Bibel ist die Frau von Anfang an nichts weiter als ein minderes Wesen (ein "arges Ripp", S. 30), ein Brutkasten, "Ein notwendiges Übel zur Erhaltung des Volkes" (S. 21), eine Art Tier ohne Rechte, das bei Nichteinhaltung der Vorgaben z.B. auf bestialische Weise gesteinigt wird; in jedem Falle der totalen Kontrolle ausgeliefert ist, was man am Beispiel der "Bedingung der Jungfräulichkeit" bis heute nachweisen kann....
.... Und er geht noch weiter und stellt die Frage, ob die Bibel nicht eine verfassungswidrige und jugendgefährdende Schrift für die Schule sei? In der Tat kann niemand behaupten, dass das "Buch der Bücher" harmonisch auf unser Grundgesetz oder die Menschenrechtskonventionen abgestimmt ist.
....
Seine Forderung nach einer Entschuldigung der beiden christlichen Kirchen gegenüber den Frauen - rundet das Buch in seiner konsequent geführten Beweisführung mit ebenso konsequenten Forderungen ab.
Abschließende Bewertung: Der Autor gehört offensichtlich zu der seltenen Spezies der Freigeister; Menschen, die sich nicht beirren oder einschüchtern lassen. Dem Buch ist eine sehr, sehr breite Leser/innenschaft zu wünschen!



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