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Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen
Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue
mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie
die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von
ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt
nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als
in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne
an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur
einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase
am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen
mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen,
die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an
meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach
seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne
schwebend trägt und erhält; mein Freund! Wenn's dann um meine Augen dämmert,
und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhn wie die
Gestalt einer Geliebten - dann sehne ich mich oft und denke : ach könntest du
das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so
warm in dir lebt, daß es würde der Spiegel deiner Seele, wie deine Seele ist
der Spiegel des unendlichen Gottes! - mein Freund - aber ich gehe darüber
zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser Erscheinungen.
Ich weiß nicht, ob täuschende Geister um diese Gegend schweben, oder ob die
warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so
paradisisch macht. Das ist gleich vor dem Orte ein Brunnen, ein Brunnen, an den
ich gebannt bin wie Melusine mit ihren Schwestern. - Du gehst einen kleinen
Hügel hinunter und findest dich vor einem Gewölbe, da wohl zwanzig Stufen
hinabgehen, wo unten das klarste Wasser aus Marmorfelsen quillt. Die kleine
Mauer, die oben umher die Einfassung macht, die hohen Bäume, die den Platz
rings umher bedecken, die Kühle des Orts; das hat alles so was Anzügliches, was
Schauerliches. Es vergeht kein Tag, daß ich nicht eine Stunde da sitze. Da
kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und
das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich
da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle
die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die
Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben. O der muß nie nach einer
schweren Sommertagswanderung sich an des Brunnens Kühle gelabt haben, der das
nicht mitempfinden kann.
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