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Der Südwestwind der Copacabana Es ist ein warmer Herbsttag. Der Südwestwind bläst Joe Schneider stark entgegen. Er sitzt am weißen Sandstrand. An der Copacabana, dem größten Strand von Rio de Janeiro, sind nur noch wenige Menschen. Es ist drei Uhr Uhr nachmittags, als ihm ein freundliches Lächeln begegnet. Eine dunkle Brasilianerin schaut Joe interessiert an, wie er den Versuch macht, seine Marlboro-Light-Zigarette anzuzünden. Nach dem dritten Versuch gelingt es Joe, die Zigarette zum Brennen zu bringen. „Voce me tem fogo?“ Joe versucht, die Dame zu verstehen, aber er beherrscht nur einige Brocken Portugiesisch. Die Frau macht mit ihren schlanken Händen eine Handbewegung. „Sim.“ Er gibt ihr das Feuerzeug. Joe Schneider ist Deutscher und will sich nach seiner Scheidung von seiner Frau Anna in Rio erholen. Er ist das erste Mal in Brasilien. „Obrigada amor.“ Joe nickt mit dem Kopf. „Voce e estrangeiro?“ „Ja, e sim.“ Die junge Frau, sie wirkt, als sei sie um die zwanzig Jahre alt, schiebt ganz sanft ihren Büstenhalter zur Seite. Joe erblickt eine steife Brustwarze. „Voce quer comigo dormir?“ Joe schüttelt den Kopf. „Ich verstehe nicht, was du zu mir gesagt hast.“ Die Dame berührt Joes rechte Hand. „Motel, motel.“ Das Mädchen schreibt mit ihrem rechten Zeigefinger „10 Real“ in den Sand. Joe schüttelt wieder seinen Kopf. „Ich bezahle nicht, ich bin kein Freier.“ Das Mädchen schüttelt jetzt auch energisch ihren Kopf. „ Nao, Nao, senhor. O motel custo dez Real.“ „ Aha, das Hotel kostet 10 Real“, erwidert er laut. Das Mädchen lächelt ihn an. „Sim, sim. Vem.“ Joe will gerade aufstehen, als er plötzlich einen harten Schlag auf den Hinterkopf spürt. Er stolpert und fällt lautlos in den weißen Sand. Das Mädchen fängt an zu schreien. „Socorro.“ Ein junger Knabe rennt an ihnen vorbei. Die Sicherheitskräfte des Strandes wurden auf die Schreie des Mädchens aufmerksam. Ein Strandrauppenfahrzeug mit zwei bewaffneten Männern verfolgen den fliehenden Knaben, der auf die grüne Straßenpromenade zurennt. Das Strandrauppenfahrzeug kommt zu einem brüsken Stopp. Die eng stehenden grünen Palmen, die sich an der Seite der Promenade befinden, verhindern ein Durchkommen mit dem Fahrzeug. Der Knabe dreht sich zu den Männern um und streckt ihnen den Stinkfinger entgegen. Fluchend steigen die Polizeibeamten aus dem Strandrauppenfahrzeug. Der Knabe verschwindet auf der anderen Straßenseite in den engen Gassen. Einige Minuten später.„Amor, tudo bem?“ Joe öffnet seine blauen Augen. Sein Kopf schmerzt. „Was ist geschehen?“ Das Mädchen fängt an zu weinen. „Senhor, assalto, me desculpa.“ Joe setzt sich auf. „Was ist assalto?“ Das Mädchen zeigt ihm, wie er von hinten auf den Kopf getroffen wurde. „Ah, ich wurde geschlagen.“ „Sim, amor.“ Das attraktive Mädchen nickt eifrig mit dem Kopf. Joe vergewissert sich, dass sich seine goldene Schweizer Omega Uhr immer noch an seinem linken Handgelenk befindet. Nichts wurde ihm gestohlen. „Wie heißt du, dein Name, nome?“ „Meu nome e Jasmin.“ „Joe, ich heiße Joe.“ Jasmin lächelt wieder. Ihre langen schwarzen Haare bewegen sich mit dem Südwestwind. Ihr natürlich braungebrannter Körper glänzt in der heißen Sonne. Joe Schneider ist 39 Jahre alt und ein wenig korpulent. Dennoch, mit seinem Charme und seiner sympathischen Ausstrahlung hat er schon viele Frauenherzen höher schlagen lassen. Joe erblickt zwei Sicherheitskräfte. Es sind die beiden Männer, die versucht haben, den Jungen zu schnappen. „Herzlich willkommen senhor. Bem vindo no brasil, me desculpa.“ Joe schaut den vor ihm stehenden Beamten an. Er ist mit einem schwarzen T-Shirt, schwarzen Bermudashorts und mit hohen schwarzen Lederstiefeln bekleidet. „Alles in Ordnung, tudo bem“, erwidert er zu dem vor ihm stehenden Beamten. Der Mann bewegt sich auf Joe zu, der sich jetzt aufrichtet. Der brasilianische Beamte umarmt Joe. „Senhor, mais uma vez, me desculpa. Boa ferias.“ Joe erwidert mit einem leichten Druck die Umarmung des Beamten. „Ist alles in Ordnung. Nichts geschehen. Tudo bem.“ Die beiden Sicherheitskräfte entfernen sich wieder von Joe und Jasmin. „Joe, motel, motel“, flüstert Jasmin ihm ins rechte Ohr. Joe beginnt laut zu lachen. „Dez Real, ist das richtig.“ Jasmin nickt mit ihrem hübschen Kopf. „Sim, Joe, dez Real.“ Sie schmiegt sich eng an seinen stattlichen Körper. Joe hat die Größe eines kleinen Baumes. Mit einem Meter 98 überragt er fast alle Cariocas. So werden die einheimischen Brasilianer von Rio de Janeiro genannt. Joe erwidert Jasmins Berührungen und senkt seinen Kopf zu ihr herunter. Mit beiden Händen berührt Jasmin zärtlich Joes Wangen. Joe spürt ihren heißen Atem. Der Südwestwind bläst ihnen in ihre Gesichter. Sie öffnet ihren großen Schmollmund. „Motel, motel.“ Zärtlich küsst sie Joe auf den Mund. „Motel, motel, dez Real“, erwidert Joe lächelnd. Händchenhaltend verlassen die beiden frisch Verliebten den weißen Sandstrand. Und der Südwestwind der Copacabana bläst hinter ihnen her. Beitrag von: Peter Maurer, info@petermaurer.ch www.petermaurer.ch
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