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Drei Winter neben mir Ich suchte nach dem, was mir Schmerzen bereitete. Um diesen Schmerz aufarbeiten zu können, zog ich in diese Stadt. Das war nicht leicht, denn es war wieder mit Schmerzen verbunden. Mit Trauer, und es brachte Nachdenklichkeit über das, was ich einst erlebte, warum ich es erleben musste und wer die Verursacher für diese Schmerzen waren. Du hast mein Buch "Linie 49" gelesen? Und wenn Du es innig gelesen hast, dann hast Du mich kennengelernt.Ansonsten weißt Du gar nichts. Und darum schreibe ich Dir jetzt all das, was in diesen drei Wintern geschah. Bitterfeld scheint nun zu einem Wirtschaftswunderort zu werden, und es mag den Anschein erwecken, dass es nun glückliche Bitterfelder gibt. Aber ist das wirklich so? Oder trügt dieser Schein von Ab-und Aufbau und von grünen Oasen? Tiefschwarz fuhr der Ruß eines Jahrhunderts über die Ziegel der Dächer. Dort, wo die blinden Fensterscheiben zerborsten waren, gab das Gemäuer den Blick frei auf ein dunkles Gewirr von alten Kesseln und Rohren. Hier war die Vorhölle der Chemieindustrie gewesen, eine Chlorfabrik aus dem Jahre 1894, in der immerhin noch bis 1989 Hunderte von Arbeitern ihre Gesundheit und sogar ihr Leben eingebüßt hatten. Alles sah neu und supermodern aus, und die weißen Dächer eines Hightech-Containers blinkten in der Sonne. Etwa 85 Millionen Mark hatte der neue Chemiekonzern für hochgefährliche Chemikalien, die hier gewonnen werden sollen, ausgegeben. Das, um kasachisches Phosphor verarbeiten zu können. Dieser Konzern heißt Akzo Nobel. Ist das der Aufbruch einer "Stadt am Meer", wie die Bitterfelder zu sagen pflegen? Oder ist es ein Machtspiel der Wirtschaftsmonopolisten, sich gerade hier wieder anzusiedeln, wo einst alles durch Marodismus und Umweltverschmutzung bestimmt war? Beitrag von: Joe Bergmann, neue-seite@hotmail.de www.zeit-gefühl-erinnerung.de
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