Autoren Heute: Neue Literatur


* Generelles * Roman * Hörspiel * Biografie * Anthologie * Drama * Kurzgeschichte * Fantasy * Gedichte * Kinderbücher * Krimis * Sachbuch * Science-Fiction * Verlage

Kurzgeschichten

Home

der Floetenkopf
In Hell
Blurry Shots- First Shot
Chimären
Frauenjagd
Lebendig verzehrt Leseprobe
Hunger
Lebendig verzehrt
Begegnung
Im Reich der Sinne
Magic of Death
der tod eines popstars
Der Mantel
Geiselnahme
Der Mantel
Nachtwind
Tödliches Halloween
er hatte es nicht veranlasst
Thomas Mentzel: Das Ölporträt
Das Weihnachtsgeschenk
Susanne Henke: Stets zu Diensten
rückspiegel
Schnappschüsse superspezial
Geiselnahme Kurzgeschichte
Der Mantel
Lala
Frauenjagd
Von Lastern und Leiden
Die Leichenhalle
Weihnachtsgeschichten
landunter
der heilige spruch
Schatten auf den Wegen des Lebens
Vom Erdboden verschluckt
Der Hund Creppypasta
Das Tor zur Vergangenheit
Wenn Mutter erzählte!
Episoden Teil 1
Schatten auf den Wegen des Lebens
Kalte Wangen, heiße Zangen
Tödliches Halloween
Unsichtbare Kurzgeschichte (1)
Neuen Text eingeben

Kontakt
Haftung
Impressum


Die Top100 Literatur-Seiten im
Netz
Literatur und
Wissenschaft

Online Bücher
Die Hundert Besten!

Mit Unterstützung der Linux Consultants am Bodensee:Bodenseo,
									 Linux
									 Kurse
									 und Schulungen
Linux-Seminare und Kurse
Schulungen, Entwicklung und Suchmaschinenoptimierung
Kurse für Privatpersonen und Firmen. Linux ist auch für Autorinnen und Autoren das bessere Betriebssystem. Lernen Sie in einem Kurs damit umzugehen.
Auf der Suche nach einem neuen Job? Sie brauchen Hilfe bei der Bewerbung? Dann sind Sie bei Bewerbung-Hilfe.net richtig.

Nachtwind


Gibt es einen größeren Schelm als den Nachtwind? Er, der mit lauer Zärtlichkeit über unser Land streicht und dabei gewissenhaft die Wolken schiebt, bläst hier und da schon mal mit wildem Ordnungssinn und schafft sich so zufrieden an dieser Welt.

Am liebsten aber lauscht er mit unschuldiger Miene den Nachtgeschichten unserer Stadt, hebt diese auf seine Strömungen und trägt sie fort. Schon mischt er leises Schnarchen mit dem Gebimmel letzter Straßenbahnen, mischt Zartgeflüster der Erlösten mit dem Rhythmusklang gezählter Zeit.

Fließend webt er den Bilderlauf unserer Träume und lässt so vermischtes Leben neu entstehen.
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit lauschte er einmal einem Streit. Die aufgeregten Worte drangen aus einem beseelten Holzhaus am Rande des Waldes.

"Sie wollen uns doch nicht schon wieder eines Ihrer Märchen erzählen! Jede Nacht die gleiche Leier. Ich frage Sie, wen interessiert denn noch die Geschichte von Ihrem alten Kloster? Vielleicht haben Sie es ja noch nicht gemerkt, verehrte Dame, aber wir leben im Zeitalter der ungebremsten Geschwindigkeit! Meinen Sie im Ernst, dass Ihnen da noch einer zuhört?

Außerdem kann ich sie inzwischen auswendig daher beten. Gleich zieht dieser Kuckuck in die Lüneburger Heide, singt der Äbtissin seine Liebeslieder, und nur weil diese nicht erhört wurden, beraubte er in Wienhausen mit seiner Bande im Namen der Reformation gleich das ganze Kloster."

"Ja, ja, natürlich. Nur weil Sie als Herrenzimmermöbel auf die Welt gekommen sind und sich nicht vorstellen können, wie es in einem Frauenkloster des Zisterzienserordens zuging, halten sie meine Geschichten für altmodisch. Dieser Kuckuck war niemand anderes als Ernst der Bekenner, ein Studienfreund von Martin Luther immerhin.

Außerdem gab es da noch diese Dirne, die sich vor den heranrückenden Unholden in das Kloster flüchtete. Ein reizendes Mädchen. Freilich, das Lotterleben war nun vorbei, sie musste jeden Morgen um vier aufstehen und den größten Teil des Tages schweigen. Aber ihre Sachen legte sie in meinen Bauch und, glauben sie mir, dieses Mädchen hatte eine feine Art, die man nicht oft trifft. Manchmal streichelte sie mich und erzählte mir wilde Geschichten von der Zeit vor ihrer Flucht in das Kloster.

Aber solche Geschichten kennen Sie ja nur vom Hörensagen. Damals in Wienhausen haben Dutzende meinesgleichen nebeneinander gestanden und waren geachtete Möbelstücke der Nonnen. Ach, wäre ich doch nur da geblieben und nicht vor kurzem für ein paar Brote eingetauscht worden."

"Dass ich nicht lache! So eine ungehobelte Truhe und möchte ein geachtetes Möbelstück sein. Und außerdem, das mit dem Brottausch ist nun auch schon bald sechzig Jahre her. Ein halbes Leben!"

"Das wiederum glaube ich gern. Ihr Leben als Kommode wird bestimmt keine sechshundert Jahre dauern. Solange hat Ihr Holzwurm nicht an Ihnen zu nagen.
Unverschämtheit, das muss ich mir von Ihnen nicht sagen lassen."

"So hören Sie doch auf zu streiten, rief da ein junger schwedischer Schwingsessel aus der Raummitte dazwischen. Erzählen Sie uns doch lieber, verehrte Truhe, was Sie sehen. Sie können doch die Ereignisse vorausahnen, ach bitte, seien Sie so gut."
"Was soll ich schon sehen. Der Morgen kommt gleich, Regen gibt es und wir bekommen Besuch."

"Besuch? Wie meinten Sie das?"

"Da kommt jemand."

"Wer ist es? Kennen wir die Person?" Der Schwingsessel wippte aufgeregt und rückte näher zur Truhe, um auch alles zu verstehen.

"Ein Mann, knarrte die alte Dame. Nein, nie gesehen. Er kommt, klopft und fragt etwas."

"Wie sieht er aus?"

"Schwarz, ein schwarzer Mann, sehr gepflegt. Mehr kann ich noch nicht sehen."

"Schade. Bitte erzähl uns eine Geschichte von den alten Zeiten", flehte es nun dicht neben der Truhe.
"Das fehlte mir noch. Immer diese alten Geschichten", tönte es wieder von der anderen Seite des Zimmers.
"Da hörst du es, außerdem ist es jetzt schon früh. Zeit schlafen zu gehen. Marsch zurück an Deinen Platz. Wenn Emil merkt, dass Du dich selbständig machst, tauscht er Dich aus. Und das wäre doch schade."

Die ersten Sonnenstrahlen füllten den Himmel in ein silbriggoldenes Licht und von der Herrenzimmerkommode war ein gähnendes, wie war das gleich noch mit dem Regen, zu hören. Dann wurde es still.
Der Nachtwind schob, bevor er sich zufrieden legte, eilig ein paar dicke Wolken und ließ diese langsam am Horizont aufziehen.

Beitrag von: Olaf Piecho, piechaco@web.de
www.weinpiecho.de

© Copyright 2003 - 2005, Bernd Klein