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Das Ölportrait

Sicher, es ist ein wenig vermessen, denn schließlich bin ich weder ein Graf noch entstamme ich einem adeligen Geschlecht, aber: ich wollte schon immer ein richtiges, edles Ölportrait von mir besitzen! Ein Kunstwerk von besonderem Wert sollte es sei, ein Bild für die Nachwelt. Nicht so ein schnödes Allerweltsfoto, sondern ein echtes Unikat.

Ich meine, verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich bin ich eitel, so eitel wie ein Mann sein kann. Aber so eitel nun auch nicht, dass ich mich jeden Tag an der Wand bewundern müsste. Schließlich habe ich genug Spiegel an den strategisch wichtigen Punkten unserer Wohnung verteilt. Nein, es sollte ein Bild werden, dass man über Generationen vererben kann. Selbstverständlich in gediegenem Goldrahmen und mit sehr diskret angebrachter Signatur des Malers. Vor allem reizt es mich, dass dereinst meine Urenkel sagen können: „Seht mal da, der alte Großvater Mentzel, der hat so viele Geschichten erfunden. Schade nur, dass keine übrig geblieben ist, denn alle waren sie für den Sofortverbrauch bestimmt....“ Oder so ähnlich.

Nachdem ich mich also bereits lange mit diesen Gedanken trage, stolpere ich doch unlängst bei einem Stadtfest über einen Maler, der am Straßenrand saß und ganz allerliebste Karikaturen der Passanten anfertigte. Mit einem Schild neben seiner Staffelei wies er darauf hin, dass er auch Ölgemälde nach Bestellung anfertige.

Kurz entschlossen steuerte ich ihn an und war alsbald in ein geschäftiges Verkaufsgespräch verwickelt.

Ihn würde diese Aufgabe schon reizen, meinte der Maler nach einem langen, prüfenden Blick und nach einigem hin und her verständigten wir uns auf einen angemessenen Preis für das Werk. Er bestand noch, aus meiner Sicht verständlich, auf eine Anzahlung, brachte mit wenigen Bleistiftstrichen eine erste Skizze zu Papier – die ich der Scherzdarstellung zuordnete –sodann vereinbarten wir einen Termin in der kommenden Woche. An diesem sollte ich Modell sitzen.

Nun ja. So weit, - so gut. Und ich möchte Sie jetzt an dieser Stelle nicht damit langweilen, wie ich – geheiligt sei der Zweck – mehrere Tage lang still und stumm Modell saß. Dies erinnerte an Persiflagen aus Filmen. Zu dem Thema nur eines: Der Film untertreibt schamlos.

Nachdem ich einige Tage im Atelier des Künstlers zugebracht hatte, kam kürzlich der große Tag der Enthüllung. Vorsichtshalber, aber der Sinn wurde mir erst im nachhinein klar, kassierte der Mann noch ganz schnell den Rest der vereinbarten Summe. Erst dann ließ er mich einen Blick auf das nunmehr vollendete Werk werfen.

Mir ist klar, dass man sich selber immer anders sieht als andere Leute. Ich mache mir auch keine großen Illusionen darüber, dass ich einige Kilo zuviel mit mir herumschleppe. Neu war für mich allerdings, dass mein Gesicht durchaus als naturalistisches Vorbild für einen Pfannkuchen herhalten kann. Bisher ging ich auch immer davon aus, dass ich einen Schnauzbart trage und nicht einen veritablen Vollbart der oberen Kategorie. Und meine Hippie-Zeiten habe ich lange hinter mir gelassen, denn dank einer guten Freundin werden die Haare regelmäßig gestutzt. Von all dem sah ich auf dem Bild weniger. Im Gegenteil.

Der Portraitist meinte mich nunmehr belehren zu müssen, dies sei einerseits die künstlerische Freiheit, (die wollte ich ihm beileibe nicht einschränken, auch wenn dadurch die Freiheit an meinem eigenen Antlitz eingeschränkt wurde) zum anderen aber hätte ich nicht wirklich still gesessen und dadurch hätte er einige Korrekturen durchführen müssen. Aber soweit er das sähe, wären ihm diese sehr gut gelungen.

Mühselig rang ich um meine Fassung und stammelte etwas von „Geld zurück“. Doch der abgefeimte Schuft zeigte keinerlei Verhandlungsbereitschaft und beharrte auf „künstlerischer Freiheit!“ Ich schnappte mir das Stück Leinwand und marschierte auf kürzestem Weg zu meinem Rechtsanwalt.

Jener, mit dem ich seit nunmehr zwanzig Jahren befreundet bin, hatte für mich nur ein müdes Grinsen übrig. Was ich denn wolle, meinte er schließlich scheinheilig, schließlich sei die Ähnlichkeit doch unverkennbar.

Soweit zu „guten Freunden“! Beim nächsten Stammtisch wird er schon sehen, was er davon hat.

Also griff ich mir die Leinwand wieder und taperte nach Hause, in der Hoffnung und dem Bewusstsein, dass wenigstens meine Frau ein paar tröstliche Wort für mich übrig hätte. Doch denkste! Bereits beim ersten Anblick des Gemäldes durchkrampfte sie ein Lachen, redensartlich biss sie in den Tisch. Der Abend endete mit dem ersten Streit seit Jahren und ich suche seitdem eine Wohnung.

Mittlerweile habe ich mich beruhigt. Das Ölbild steht umgedreht hinter meinem Schreibtisch. Es dauert nicht mehr lange und ich werde meine überzähligen Habseligkeiten auf einem Trödelmarkt verkaufen. Auch dieses Gemäld. Vielleicht gelingt es mir sogar, es als ein wertvolles altes Teil wegzuhökern. Wenn Sie also demnächst auf einem Trödelmarkt jemand sehen, der einen in Öl gemalten Pfannkuchen mit Bart verkauft, - denken Sie sich nichts dabei. Ich bin es nur.

Beitrag von: Thomas Mentzel,
Thomas@ThomasMentzel.de www.thomasmentzel.de


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