Eine Reise durch die deutsche Literaturgeschichte

Was will dieser Beitrag?

  • Eine erste Bekanntschaft mit Autoren und Autorinnen der deutschen Literaturgeschichte vermitteln oder die Bekanntschaft vertiefen

  • Deren literarische Texte vorstellen

  • Neugierig machen auf mehr

Aber:

  • Leider kann es sich in dem Beitrag nur um eine kleine –subjektive!- Auswahl von Autoren, Autorinnen und deren Texten handeln, da eine größere Anzahl hier den Rahmen sprengen würde.

  • Lieber konzentrieren wir uns also an dieser Stelle auf eine kleine Auswahl von Autoren und Autorinnen, die wir vor dem jeweiligen historischen Hintergrund ein wenig näher kennen lernen wollen. Und wenn bei Ihnen dann die Neugierde auf mehr geweckt wird, hat der Beitrag bereits seinen Zweck erfüllt!

Literaturseminar zur Literaturgeschichte

Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther

Beginnen wir mit einem Kultbuch der jungen Generation, das 1774 entstand und in demselben Jahr veröffentlicht wurde: mit Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werther.

Ein junger Mann namens Werther verliebt sich in Lotte, die bereits verlobt ist. Seine starke und zugleich hoffnungslose Liebe treibt ihn schließlich in den Selbstmord. Der Roman hat einen autobiografischen Hintergrund…

Literaturseminar zur Literaturgeschichte

Sturm und Drang (1767-1785): Gefühl statt Vernunft

Goethes Briefroman ist der Literaturepoche „Sturm und Drang“ zuzuordnen. Die Autoren dieser Epoche schrieben sehr emotional, das Gefühl stand im Vordergrund. Die Freiheit für den genialen Geist, für das „Originalgenie“ und das Recht auf Individualität wurden gefordert.

Klassik (1786-1832) : Abkehr von den Sturm- und Drang-Idealen

In der Klassik ist eine deutliche Abkehr von den Sturm- und Drang-Idealen zu verzeichnen. (Kein Geniekult mehr!) Maß, Gesetz, Formstrenge wurden gefordert. Der Gefühls- und Geniekult wurde aufgegeben; stattdessen standen die Vernunft und sittliche Läuterung des Menschen im Vordergrund der literarischen Werke. Hauptvertreter der Klassik waren Goethe und Schiller

Die Romantik (1795-1848)

Bereits in demselben Zeitraum wehrten sich jedoch Autoren dagegen, „vernünftig“ schreiben und den Gefühlskult aufgeben zu sollen. Sie wollten schöpferisch tätig sein, phantasieren, so zum Beispiel auch Novalis in seinem Werk Heinrich von Ofterdingen.

„Es ist mehr Wahrheit in ihren (der Dichter) Märchen, als in gelehrten Chroniken. Sind auch ihre Personen und deren Schicksale erfunden; so ist doch der Sinn, in dem sie erfunden sind, wahrhaftig und natürlich.“

(Zit. in: http://gutenberg.spiegel.de/buch/heinrich-von-ofterdingen-5235/13)

Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann

Der wohl bedeutendste Erzähler der Romantik ist Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, der Ihnen wahrscheinlich eher als E.T.A. Hoffmann bekannt ist. Über sich selbst schrieb er:

„Die Wochentage bin ich Jurist und höchstens etwas Musiker, sonntags am Tage wird gezeichnet und abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht.“

(Zit. in: https://etahoffmann.staatsbibliothek-berlin.de/startseite-test/)

Hauptunterschied zu den vorangegangenen Texten der Klassik ist das Phantastische in seinen Erzählungen. Deshalb war das Kunstmärchen ein geeignetes Medium für Hoffmann, so beispielsweise Der goldene Topf und Nussknacker und Mausekönig.

Biedermeier und Vormärz (1815-1848)

Der Wunsch nach Rückzug, der ja bei den Romantikern vorherrschte, bestimmte auch die Literatur des Biedermeier. Als Beispiele sind die Literatur von Eduard Mörike und auch Adalbert Stifter zu nennen.

Heinrich Heine: Die schlesischen Weber

Wie anders klingt –im Vergleich zu Stifters idyllisch anmutenden Naturbeschreibungen- Heinrich Heines Gedicht: Die schlesischen Weber:

Im düstern Auge keine Träne,/Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne <…>

In der Epoche Vormärz geht es nicht mehr darum, sich in sein Inneres zurückzuziehen wie im Biedermeier

Mit seinem Gedicht wollte Heine vielmehr auf die unmenschliche Behandlung der unteren Bevölkerungsschichten aufmerksam machen: Literatur sollte nicht nur erbauen, sondern vielmehr aufklären.

Poetischer Realismus (1848-1890)

Während die Literaten des Vormärz also offen politisch agierten, hatten diejenigen, die sich „Realisten“ nannten, nicht unbedingt das Ziel, die politischen Verhältnisse ungeschminkt darzubieten. Im Zeitalter der zunehmenden Industrialisierung sollte Bildung als Bewahrung eines traditionellen Wertesystems dienen. Entsprechend finden sich in der Literatur Theodor Fontanes, Theodor Storms, Gottfried Kellers und anderer Schriftsteller jener Zeit eher Anklänge an die Literatur des Biedermeiers als an die des Vormärz. Den poetischen Realisten ging es nicht um eine bloße Widerspiegelung der vorgefundenen Realität, sondern um die künstlerische Gestaltung der Stoffvorlage.

Naturalismus (1880-1900)

Es blieb den Vertretern der darauffolgenden Epoche „Naturalismus“ überlassen, die Welt zu zeigen, wie sie wirklich ist, so beispielsweise Gerhart Hauptmann in seinem gesellschaftskritischen Drama Die Weber.

Gegenströmungen zum Naturalismus

Natürlich waren nicht alle Literaten mit der detailgetreuen Darstellung der Wirklichkeit, die der Naturalismus forderte, zufrieden, und es bildeten sich einige Gegenströmungen, so zum Beispiel der Symbolismus, der propagierte, Dichtung genüge sich selbst:

Stefan George: Kunst für die Kunst

Der Impressionismus kann als eine weitere Gegenströmung zum Naturalismus gesehen werden.

Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

In Rilkes Tagebuchroman erzählt der Held keine zusammenhängenden Geschichten, stattdessen werden Umwelt und Erinnerungen als Folgen stimmungsvoller Impressionen –also Eindrücke- vermittelt.

Den Gegenbegriff zum Impressionismus bildet der Expressionismus (1910 – 1925). Die expressionistischen Schriftsteller lehnten alle Arten des Denkens ab, die auf Logik und Erklärbarkeit basierten…

Ein Autor des Expressionismus ist zum Beispiel Bertolt Brecht; auch Alfred Döblin undFranz Kafka werden häufig dem Expressionismus zugeordnet, deren Zuordnung zu einer literarischen Epoche ist aber umstritten.

Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan

„Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss

Es muss ein guter sein, muss, muss, muss!“

In diesem Sinne beende ich auch diesen Beitrag in der Hoffnung, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, für sich selbst einen guten „Schluss“ finden, indem Sie durch neu erworbenes oder wieder aufgefrischtes Wissen Anregung und Bereicherung erfahren haben, die Sie eventuell in weiterführender Lektüre oder auch in meinen Literaturseminaren vertiefen.

Literaturseminar zur Literaturgeschichte

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