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Nachfalterdepressionen


Gedichte von Enno Ahrens


Lust

Ich liebe die Herbstfee
ihr störrischer Blick
aus dem Gemälde
hinter die unpassierbare Krümmung
streicht die Geige mir
frühlingstrunken möcht? ich sie
entblättern
meine geflutete Leidenschaft
zum Entlauben
bis das Reticulum verwelkt.

Sinnesläuterungen


Nachtfalterdepression/-syndrom

Ein Völlegefühl beschleicht mich;
bin ich doch einst wie ein neuer Buntstift gewesen,
habe freudig wilde Kreise und bunte Blumen in die Seele gemalt;
lange schon ist die Spitze abgenutzt,
und nichts spitzt mich an,
um neue, fröhliche Kreise zu ziehen.
Wenn die Sonne sich verpisst
streiche ich um die Häuser,
in betrügerische Weinhandlungen,
die Etiketten der Flaschen preisen süße Verlockungen,
doch ihr Inhalt schmeckt meist fad.
Tags ist mir die Stadt zu aufgescheucht,
ein Gänsestall,
in den der Fuchs eindringt.
Das fahle Licht der Laternen ist süchtig nach Dunkelheit.
In überfüllten U-Bahnen
verharre ich wie ein Insekt in der Winterstarre,
das Leben hält den Atem an,
wie im Wartezimmer beim Zahnarzt.
Man wäre froh, wenn schon alles hinter einem läge.
Die Ruhe aber in den nächtlichen Straßen
lässt mein Blut in den Adern stocken.
Ich schmiege mich an Prostituierte,
drücke mich eng an ihre warme Haut,
Erinnerung an Hausschlachterei,
an eisgekühlte Schweinehälften.
Viele Ratten sind unterwegs und Falter,
Nachtschattengewächse,
die dürftige Blüten treiben,
im Freudenhaus nur eine einzige Funktion ?
Sex gegen Geld.
Leere Hülsen treiben aus meiner Seele,
recken sich aus düsteren Katakomben,
wollen erfüllt werden,
die begrabenen Sehnsüchte,
die kleinen, närrischen Begierden nach Glückseligkeit wie
winzige Kobolde,
sie wollen sich vergnügen, wollen umhertanzen.
Mit einem Fingerhut voll Lebensfreude
könnt? s mich ins Rampenlicht der Sonne drängen.
Aber morgen geht?s noch nicht,
da ist im Puff Whiskey-Time,
das Glas zu drei Euro fünfzig.


Sinnesläuterung - läuterndes Sinnen

O ihr undurchsichtigen Großhirnnebel,
ihr virtuellen Räume versunkener Gelüste,
ihr selbstgefälligen Ethikmonumente,
ihr ungesehenen Ideenpickel in mondheller Nacht.
Schwer lasten Theoriengebäude auf der väterlichen Avantgarde,
Furunkeln an den Eingeweiden vergangener Künste.
Doch blutige Denkblasen meist nur aufgeblasene Gedanken.

O wie verirrt hat sich die geschundene Kreatur,
wo vorgeburtlich deine Verhaltensclaims abgesteckt,
wo Psychotherapeuten Metaphern medizinisch heilen,
anmutige kleine Geistesgeschwüre,
und horrend verwilderter Wahnsinn Kapriolen schlägt,
wo quälend Humor aufbegehrt, ein bleierner Rettungsring,
in der Dekadenz einer Seelen entfremdeten Welt.


Fliederduft

In ozon-erlahmender Stadt,
mit bleischwerem Sorgengemüt,
blutend aus alter pochender Narbe,
getrieben von geschäftiger Obsession,
schlurfend über flirrenden Asphalt.

Dann ein frisches Wehen,
aus fernen Gärten herüber
der Duft von Flieder.

Du hältst plötzlich inne,
vergessen die Schatten auf deiner Seele,
Gedanken an erste verzückende Liebe,
an süße, hoffnungsvolle Verlockung,
an die Träume deiner Jugend.

Dann wieder ein leichtes Wehen,
und alles ist verflogen
mit dem Duft von Flieder.


Tot in einem Zug

Herbsteskühle alarmiert den gefiederten Körper,
aus dem Schattenreich der Gene Fernweh steigt auf,
ein Trieb unerschöpflich fordernder Lust.
Jeder Flügelschlag mechanisch exakt im gepresstem Raum,
Artgenossen schwirrend am räuberischen Auge vorbei,
pfeilschnelle Vorhut formiert in verzweifelter Anmut,
fliehend und doch gefangen gehalten im Verbund.

Jedes Mal wildes Blut bis in die Gedärme,
und endlich der Pulk zieht in mäßiger Ordnung
kreischend durch die kalte, mondhelle Nacht.
Erinnerung an die verlassene Kolonie,
eingefrorenes Leichtgepäck, unmerklich wie Styropor,
im Frühjahr wieder aufgetaut, schwer und drängend werdend,
und machtlos gegenüber einem Aufbruch an den alten Ort.

Dann ein blitzend Geschoss durch fedrig-fiebriger Brust,
und sterbend im Flug herausgerissen, von allen Fesseln gelöst.


Flippern durch Zeit und Raum

Unstet wie die Kugel im Flipperautomaten
spielt Tag für Tag dein Leben,
angestoßen zum Hochrausch noch eben,
dann mühseliger Lauf wie durch  Flüsse waten.

Plötzlich leise, ohne Regung kaum,
eiskalte Schauer im ruhigen Kalkül,
später wieder mit überschwenglichem Gefühl,
hin und her die Kugel im Taumel von Zeit und Raum.

Bange Zuversicht

Prosagedicht:

Sich Räume der Freude schaffen,
emsig, voll Lust und hartnäckig,
die Seele in ihrem marodierenden Körper
gleich einem Piloten im klapprigen Flugzeug,
zum unaufhaltsamen Fliegen bis zum Absturz verdammt,
ohne Treibstoffanzeige
und ewig bange in diesem dunklen Kerker beschränkter Erkenntnis.
Wann wohl, wann, und wieso überhaupt,
klagt das machtlose Ich.
Das Lenken, welch Spott, ist einziges Freiheitsprivileg.
Etwas nach rechts, wieder geradeaus oder vielleicht ein Linkskurs,
immer den Blick gebannt hinaus im hoffnungslosen Nebel,
und nichts sicherer im Visier als den eigenen Tod.
Hoffnung erscheint als reinste Illusion,
dann eher Illusion zu Hoffnung.
Dennoch richtet man sich ein in seinem Flieger
ein kurzes Vergessen,
Fröhlichkeit und Zuversicht stellen sich ein,
doch  die Fenster versperrt mit Blumen,
den Geist mit Drogen.
Dann wieder durchwandert von Angst um die verlorene Zeit,
wie schmerzlicher Treibsand zwischen den greifenden,
flehenden Händen
und kein Entrinnen aus diesem Schmerz.
Du bist im Uhrwerk die Unruhe
und nicht die Feder, die treibt,
machst nicht die Kinder,
sie werden gemacht
und du wirst gelebt.
Fängst vielleicht klein an
oder mit etwas Kleinem.
Durch uns schafft sich die Kunst,
doch erklären wir sie nicht gleich zur besonderen Kultur,
beladen wir sie nur kurz mit unserem Stolz.
Lassen wir unsere Bildnisse und Gedichte
mit Freude ins Leben fließen.

Doch nichts überwindet die Ungewissheit.

Kontakt: Amenbi12@aol.com


© Copyright 2003 - 2005, Bernd Klein