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der tod eines popstars

Jerry Sostko war bereits mit 18 ein Popstar. Er saß nun auf dem Balkon seiner Millionen schweren Villa und lachte sich tot. Kiffte dabei heftig. Er lachte über seine Vergangenheit, über kreischende Teens und über geldgierige Manager. Hatte er doch irgendwie alle rumgekriegt. Jerry dachte an die Texte, an die Songs, die er sang, an die künstliche Dramatik seiner Lovesongs... Es war schon ein irres Gefühl, dass die Leute ihr hart verdientes Geld für diesen Müll ausgaben. Diese Dummköpfe! Hatte er etwa Gewissensbisse, Millionen Menschen betrogen und benutzt, ihren Geschmack kaputt gemacht zu haben? Denn das, was er produzierte, war Schrott und nichts anderes als Schrott – seine eigenen Worte. Jerry staunte über die unglaubliche Naivität und Dummheit der Menschen, die ihm seine grottenschlechte Theatralik abkauften. Nun kiffte er gemütlich mit seinen Rowdys und gab seinen Leibwächtern strikte Anweisung, keine Besucher mehr zu empfangen, nicht mal die süßen Muschis, wie er die weiblichen Teens nannte. Er fühlte sich, als hätte er keinen Samen mehr im Körper. Jerry Sostko brauchte nichts als Erholung von den Menschen, die ihn in eine Reihe mit Jesus stellten. Eigentlich kam er aus einem ziemlich schlimmen kriminellen Milieu, ein Ex-Knacki, Gangster, Schläger, der halt gern summte. Jerry Sostko summte seit seinem dritten Lebensjahr, so sexy, dass ihn sogar seine Stiefmutter im 14. Lebensjahr sexuell missbrauchte – das besagte jedenfalls die Legende. In Wahrheit aber missbrauchte Jerry seine Stiefmutter und später auch seine Stiefschwester (liegt seitdem in der Psychiatrie). Er kaufte aber alle mit seinem Geld, besser gesagt seine Plattenfirma tat dies, die aus Nossram Stenzelbaum Jerry Sostko gemacht hatte... „Diese Arschlöcher!“, sagte er oft über seine Bosse, „nichts anderes als Krawattenlutscher!“ Ja, Jerry hatte oft derbe Sprüche drauf, verdiente sogar Geld damit. In einer speziell für ihn erschaffenen Kolumne einer Boulevardzeitung fiel er über nur alles Mögliche her, und seine Worte waren Kult bei den Minderjährigen. Die Intellektuellen nannte er „Parasiten mit Hang zu Päderastie“ oder „Kleinschwänzlige Großmäuler“ oder „Parfümierte Mistviecher“ und so weiter. Eine ganze Generation wuchs mit dieser Wortwahl auf. Im Kino hatte er bereits alle populären Götter oder Propheten wie Jesus, Mohamed, Buddha oder Krishna verkörpert - und das mit größtem Erfolg. Alles unter seinem Namen war mit dem Erfolg verbunden. Das Geld regnete in Strömen. Allein schon den Namen Jerry Sostko (mit sehr amerikanischem Akzent) auszusprechen, versprach den Erfolg – man würde cool und sexy aussehen, je öfter man ihn in den Mund nahm, desto besser. Die armen weiblichen Teenager wiederholten seinen Namen wahrscheinlich tausende Male am Tag. Jerry Sostko lachte, wie ein Besessener lachte er, es war einfach nicht zu fassen, dass ihm die ganze Welt, bis auf wenigen Ausnahmen, zu Füssen lag. Und sie war für ihn nichts anderes als ein Haufen heiliger Scheiße! „Der Teufel persönlich!“ – So nannte man ihn in den fundamentalistischen Kirchenkreisen. Er lachte wieder, jeden Tag immer und immer mehr und kiffte dabei heftig, bekam oft solche Lachanfälle, dass sein Hauspersonal häufiger den Krankenwagen rufen musste, er war viel zu oft dem Ersticken nah. Jerry war ein durch und durch hässlicher Junge und das wusste er auch ziemlich gut, doch hatte man aus ihm im Laufe der Zeit einen Adonis des schlechten Geschmacks gemacht. Die Schönheit wurde völlig neu definiert, plötzlich war das „Hässliche“ total in, die kriminell-aggressive Getto-Hässlichkeit empfand man nun als durchaus vital, potent und schön. Seine zahlreichen Fans glaubten es felsenfest, man wollte so sein, wie ihr größtes Idol. Jerry aber nicht! Er wusste von Anfang an, dass alles nur ein riesengroßer Schwindel war. Nicht, dass er von diesen hirngespinstigen Lügen nicht hätte leben können, nein, aber es nervte ihn langsam, dass die Hintermänner allmählich anfingen Jerry selbst zu belügen, versuchten, ihn glauben zu machen, es wäre alles gut, was er tat. Er selbst wäre der Schönste und der Beste. „Sagt das der ganzen Welt, aber bitte nicht mir!“, wiederholte er vor den geldgierigen Managern und Agenten, sie aber kapierten das irgendwie nicht. Da versuchte Jerry, sie zu feuern, wurde aber plötzlich selbst gefeuert. Ja, sie brauchten ihn im Prinzip nicht mehr, er war zu selbstbewusst geworden, zu gefährlich für die mächtigen Bosse der Musikindustrie. Es ließ sich allein mit seinem Image prima Geld verdienen. Aber Jerry war cleverer als die Anderen, die ihn unterschätzt hatten. Er verschwand eine Weile aus der Öffentlichkeit, ließ Geschichten und Gerüchte über sich verbreiten – „Jerry ist tot!“, „Jerry von Außenirdischen entführt“, „Sostko im Kloster für immer!“ und ähnliches... Als er nach elf Monaten plötzlich wieder auftauchte, war das die Weltsensation schlechthin. Jerry Sostko war wieder zurück, hässlicher und gemeiner denn je. Nun nannte man ihn überall den Ex-Popstar, der es noch einmal versuchen wollte. Schnell fand er wieder geeignete Labels, die Songs für ihn schrieben und ihn millionenfach verkauften. Der Erfolg hatte sich vervierfacht. Daraufhin fiel Sostko in eine dreitägige Lachorgie. Dass der Planet sich ihm in solchen Ausmaß versklaven ließ, war mit dem nüchternen Kopf einfach nicht mehr zu fassen. Am vierten Tag, er war schon nicht mehr imstande sich zu äußern, dachte er nach, ob sein Lachen ein Ausdruck des Glücks oder der Trauer war. Das zu bewerten, schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Der nächste Joint wurde von seinen Rowdys nachgereicht. Zwei davon waren schon früher dem Lachwahnsinn ihres Chefs zum Opfer gefallen. Sollte der Dritte selbst Der King sein? Als ihm diese seltsame, aber durchaus ernstzunehmende Idee durch den Kopf blitzte, waren er und seine Kiffkumpanen schon so tief im Lachsumpf versunken, dass jede Rettung zu spät kam.... Jerry Sostko erstickte mit 24 an einem Lachanfall, aber bis heute glauben seine Fans nicht an seinem Tod und hoffen, dass ihr Gott, gesünder und stärker denn je, wieder zurückkommt und mit seinen neuesten Ergüssen aller Art die Charts und Kinos stürmt...

Beitrag von: beshan, benbenben_4@msn.com www.beshan-art.de


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